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| ... But Alive |
Bis jetzt ging alles gut... :
Hier fängt ein Album so an:
"Pete Townshend ist heute alt und will längst schon nicht mehr sterben. / Und alle um mich herum wollen nur in Würde älter werden. / Ich sagte es gestern, sag es morgen : / Macht euch um mich doch keine Sorgen / Und kümmert euch zuerst um euch und fickt euch"
Das bezieht sich natürlich auf das "Hope I die before I get old" aus My Generation von THE WHO und auf die Tatsache, daß das alles wohl doch nicht so ernst, bzw. eher- räusper- metaphorisch gemeint war. Die Botschaft des Albumopeners ist aber eher der allgemein und allgemeingültig steil nach oben gereckte, in die Runde gezeigte lange lange Finger. "Fickt euch" ist die Message von 'Bis jetzt ging alles gut', dem brandneuen, dem dritten Fulltimealbum aus dem Hause ... BUT ALIVE, jener wohltuend phrasenfreien Punk- ( und mehr)- Band aus Hamburg. Weitere Botschaften, Statements und polarisierende Meinungsäußerungen finden sich dann zuhauf. So möchte ... BUT ALIVE etwas ganz besonders gern, nämlich : Ich möchte Ilona Christen die Brille von der Nase schlagen, konstatieren trocken : Es ist Zeit an Gott zu denken, fordern unmißverständlich auf : Brenn das Haus nieder. Oft sind die Grenzen zwischen Ironie, Wut, Ernsthaftigkeit und Provokation fließend, da sollte mensch dann doch - gegen alle Gewohnheit - sein Denkmaschine anwerfen und versuchen, zwischen den Zeilen der siebzehn knochentrockenen, herben, zupackenden Punkrocktracks zu lesen. ... BUT ALIVE brachten vor vier Jahren ihr erstes Album ‚Für uns nicht' heraus, dem sie 1995 ‚ Nicht zynisch werden ?!' folgen ließen. Sie sind in diesen Jahren ihren eigenen Vorgaben treu geblieben : Weder sind sie ins apolitische Herumgemucke der Funpunker abgeglitten, noch liefen ihre Texte jemals Gefahr, ins Phrasenhafte und Plakative abzudriften, immer schaffen sie es, die Verbindung zwischen ihrer eigenen Situation und dem politischen Millieu deutlich zu machen. Und ebensowenig kamen sie je in Versuchung, ins MTV-kompatible Posertum zu verfallen, das zwar Umsätze steigern kann, die eigene Glaubwürdigkeit jedoch so gut wie immer auf der Strecke bleiben läßt. Was die musikalische Umsetzung ihrer Ideen angeht, setzen sie nach wie vor auf so sauber wie hart gespielten "Melodic Punk", ihre Wurzeln weisen eher in die britische Punkrockära der beginnenden 80er, als in die Amihardcoretradition. Es finden sich immer wieder sehr souverän eingesetzte Skaelement in ihrer Mucke wieder, die das Klangbild angenehm auflockern und variieren. ... BUT ALIVE machen aber, um das gleich klarzustellen, keinen wehmütigen "Retropunk". Sie nutzen die Optionen der Punkgeschichte offensichtlich deswegen, weil diese ihre Texte optimal transportieren können. Ja, ‚Bis jetzt ging alles gut' ist eine Deutschpunkplatte. Aber sie ist auch ganz enorm viel mehr. Sie lassen uns durch ihre Kompaktheit ihrer Musik Räume ohne Ende, uns um ihre Worte zu kümmern, ihre Worte , die voller Wahrheiten stecken. Ihre selbstgestellte Aufgabe ist es , der Szene ihre so nervige wie unglaugwürdige Maske überheblicher Coolness nicht nur vom Gesicht zu reißen, sondern ihr das Ding auch gleich ins Maul zu stopfen. Sie sind sehr wohl noch der Meinung, daß es nicht nur legitim ist, sondern durchaus noch angezeigt ist, das Wort "Freiheit", das Wort "Revolte" richtig ernsthaft in den Mund zu nehmen und sich nicht nur als imagepflegende Attitüde wie ein abwaschbares Makeup um die Nase zu kleistern. Man nimmt ihnen dabei - und das ist 1997 so gar nicht selbstverständlich - jedes Wort ab. ... BUT ALIVE sind nach wie vor glaubwürdig geblieben und das ist nicht nur das , was sie so wohltuend aus der vor sich hin grützenden Szenen heraushebt, das macht sie auch hochsysmpathisch. Und , bei aller Härte , so enorm verletzlich: "Es gibt nichts wofür es sich lohnt zu sterben / Darum sind wir hier, daß ist warum ich bleibe. / Und ich heul und im nächsten Moment fahr ich aus der Haut / weil ich es so schrecklich finde, und so feige." Und, wie man unschwer sieht : In diesen Stücken findest du dich selbst auch häufig wieder.... Produziert hat das Ding im Übrigen Christian Mevs ( Ex-Slime) und für die Vollständigkeit : den Text für ‚Gefrorene Felder' hat ihnen Stephan Mahler ( ebenfalls Ex-Slime) und den von ‚Zeit an Gott zu denken' Bernd Begemann geschrieben. WK
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